Magazin
04-05

Vorworte in Büchern empfinde ich als Kropf. Editorials sind nichts weiter als Besser- wisserei. Wenn man ausdrücken will, was einen zum Ticken bringt, haben andere immer schon die besseren Gedanken gehabt.


Auf meinem Grabstein sollte mal stehen:
In unbekanntes Gebiet aufgebrochen

  Aber will ich wirklich im Familiengrab auf dem Bergfriedhof in Gmund am Tegernsee liegen zum Begaffen?
Nein, ich will unsterblich werden und werde mich deshalb, wenn es soweit ist, in die Savanne legen.
Dann fressen mich die Geier – und noch nie hat einer einen toten Geier gesehen.
Sie leben in sich weiter. Ewig. Mit mir. Ich werde unsterblich sein.


   Was noch? Ein Gedicht von Erich Fried.
Zu Lebzeiten mochte ich ihn nicht, sein Nach- lass ist wunderbar. Das Gedicht heißt "Was es ist" und geht so (die Satzzeichen hat er raus gelassen, nicht ich):

Es ist Unsinn sagt die Vernunft
Es ist was es ist sagt die Liebe

Es ist Unglück sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz sagt die Angst

Es ist aussichtslos sagt die Einsicht
Es ist was es ist sagt die Liebe

Es ist lächerlich sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig sagt die Vorsicht

Es ist unmöglich sagt die Erfahrung
Es ist was es ist sagt die Liebe


   Ja, Erich, daran glaube auch ich.
Danke, dass Du es so großartig formuliert hast...

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