

I.
1939 verbrachten mein Vater Harald, 29, und meine Mutter Maria, 18, ihre
Hochzeitsreise auf unserer Farm Kap Holm in Tanganjika. Dort kam ich am 29. 11. (in Tanga) zur Welt und da war leider
der Zweite Weltkrieg ausgebrochen.
Statt den Frieden in Ruhe auf der Farm abzu- warten, wollte mein
Vater mitkämpfen fürs Va- terland, packte Frau und Baby in den klappri- gen Pick-up (die gab's damals schon) und machte
sich auf den Weg nach Mombasa, um einen Dampfer nach Hamburg zu erwischen.
Südlich der Stadt kam er
an eine Straßen- sperre der Briten, befehligt von einem schnei- digen jungen Mann, der damals eigentlich Chef der
Shell-Raffinerie in Mombasa war und Roald Dahl hieß. Mein Vater und er, obwohl kriegs- bedingt nominell Feinde,
freundeten sich an, und Dahl schickte die kleine Familie weg mit dem Hinweis: "Wenn Sie weiter fahren, muss ich Sie
leider internieren".
Was mein Vater auch tat, sich nach Beira in Portugiesisch-Ostafrika (das heutige
Mozam- bique) durchschlug, was 1939 eine gewaltige Leistung darstellte.
In Dahls Memoiren, denn er
war der große Schriftsteller ("Küsschen, Küsschen"), habe ich die entsprechende Stelle gefunden, er nennt meinen Vater
"einen dicken, rotgesichtigen, schwitzenden Deutschen"; und mich, 1 Monat alt, "süß".
Ich habe Dahl
50 Jahre später in England be- sucht, und zur Begrüßung sagte er: "Sie habe ich irgendwo schon mal gesehen ...". Ich,
der ich meinem Vater gleiche wie ein Zwilling dem anderen, erwiderte: "Ja, 1939 vor Mombasa, damals war ich mein Vater".
Es wurde ein gemütlicher Abend ...